Twentyniner

Auch wenn sie längst nicht mehr als „Trend“ zu bezeichnen sind: Twentyniner werden unter Bikern noch immer so leidenschaftlich diskutiert wie am ersten Tag. Während einerseits gemutmaßt wird, dass die neue Mountainbike-Generation das Ursprungs-Konzept mit 26 Zoll vollständig ablösen wird, steht den Twentyninern andererseits aufgrund angeblicher Gewichts- und Systemnachteile breite Ablehnung gegenüber. Dabei liegt die Wahrheit – wie so oft – dazwischen.

So existieren physikalische Vorteile der Bikes mit großen Laufrädern, die sich schlicht nicht wegdiskutieren lassen. Beim Überrollen von etwa Wurzeln oder Steinen trifft das Twentyniner-Laufrad in einem flacheren Winkel auf das Hindernis. Dadurch wird es weniger stark abgebremst und es muss weniger Energie aufgewendet werden, um dieses zu meistern. Was physikalisch trocken klingt, fühlt sich für Biker einfach „smooth“ an – selbst Twentyniner-Hardtails erwecken deshalb oft das Gefühl, auf einem Fully zu sitzen. Den gleichen Vorteil spielen die größeren Laufräder beim Durchrollen von Bodenunebenheiten aus: Ein größeres Laufrad taucht weniger tief ab – auch hier spielt das verminderte Abbremsen sowie der reduzierte Energieaufwand zum Bewältigen der Fahrsituation dem Twentyniner in die Karten. Dritter Vorteil für den Eintrag in die Physikbücher: Bei vom Boden aus gemessen gleicher Höhe des Tretlagers sitzt dieses gemessen an der virtuellen Achse zwischen Vorder- und Hinterradnabe beim Twentyniner im Verhältnis tiefer, der so genannte „BB drop“ („Bottom Bracket“, engl. für Tretlager) fällt also größer aus. Die Folge: Vor allem an steilen Anstiegen erfährt das Hinterrad mehr Traktion, der Reifen neigt später zum Durchrutschen und der Pilot spürt eine geringere Tendenz einer „steigenden Front“. In steilen Downhills gilt umgekehrt das gleiche: Das gefürchtete Überschlagsgefühl über den Lenker setzt später ein – vor allem technisch weniger versierte Biker profitieren deutlich von diesen Vorteilen des Twentyniners.

Auch, was den Komfort eines Hardtails anbelangt, sind Twentyniner im Vorteil: Längere Sitz- und Kettenstreben bieten mehr Flex, das erhöhte Luftvolumen der Reifen bringt eine verbesserte Dämpfung. Und die Nachteile? Es wäre gelogen, dass es keine gäbe. Aber das nur leicht erhöhte Mehrgewicht oder etwa die minimal trägeren Laufräder werden speziell Langstreckenbiker nicht davon abhalten, einen Twentyniner als das für sie besser geeignete Konzept anzuerkennen.

 


Größer, besser, mehr:
Ein längerer Radstand und längere Kettenstreben für mehr Laufruhe, zudem mehr Komfort und Traktion: Die Geometrie des Twentyniners überzeugt in vielen Punkten (Abb. nicht maßstabsgetreu).